Bremerhaven-Marathon 2006.

Startprobleme

 

„Das wars“,dachte ich. „Mist“,fluchte ich. „Schon vor dem Start alles zu Ende“, jammerte ich.

Dabei wollte ich diesmal alles richtig machen: Nicht ganz so spät los wie vor einem Jahr; selbst Geld hatte ich mit, genügend sogar. Das letzte Jahr wurde ich nämlich beim Anmelden kurz dem Start furchtbar hektisch: Geld hatte ich dabei, aber zu wenig! Wie Jan Ullrich (nein, der dopt ja!), also wie Erik Zabel raste ich durch die Stadt nach  Hause und wieder zurück, in Summe immerhin 4 km. Das war schon mal ein Warmlaufen unter verschärften Bedingungen, aber lohnend: Kurz vor Anmeldeschluss ging alles doch noch klar, im Schweißbad allerdings. Das war beim letzten Bremerhaven- Marathon.

Und heute? Geld war diesmal genügend dabei, Zeit auch. Blieb das Anmelden auf den letzten Drücker. Das musste aber sein, denn am folgenden Morgen wollte ich in Urlaub fahren – und wer weiß schon im Voraus, ob alles dafür geregelt ist und die Familie meinen Lauf genehmigt. Diesmal also fuhr das Rad gemütlich vor der großen Kirche vor und ließ sich willig anschließen. Mann, waren da schon viele Leute unterwegs – auch massig Zuschauer, viel mehr als beim letztjährigen Event. Alles war mindestens eine Nummer größer: Tribünen vor Karstadt, ein Marathontor mit übergroßer Zeitangabe, Lautsprecheransagen und Laufmoderation schon weit vor dem Start. Ich war beeindruckt: Richtig gute Stimmung. Das Kribbeln begann schon jetzt.

Da hilft am besten Warmlaufen und Dehnen. Das tat ich vorschriftsmäßig und ausführlich. Und dann liefen da so viel Leute rum, die ich kannte und an denen ich mich unmöglich einfach so vorbeimogeln konnte („Welche Strecke läufst du? Heute nur 10 Kilometer?“).

So langsam wurde es aber Zeit mich anzumelden. Noch 5 Minuten bis Anmeldeschluss. Also schnell zum Büro. Aber das war ja gar nicht mehr im Gemeindehaus wie letztes Jahr! Nein: Auf dem Parkplatz beim Weserforum, bekam ich zu hören. Oh Gott. Inzwischen war der Kirchplatz mit Zuschauern völlig verstopft und viele Läufer versammelten sich schon in der Startbox. Da half nur Durchboxen! Doch als ich dann mutterseelenallein im riesengroßen Anmeldezelt stand, war schon fast alles weggepackt.

„Ich möchte mich noch anmelden!“ „Wir haben geschlossen.“ „Ja aber die Anmeldefrist ist doch erst in einer Minute zu Ende!“ „Dann schauen Sie mal auf die Uhr.“ „Aber! Aber ich muss doch mitlaufen!“ „Ich darf nichts mehr annehmen. Zu spät.“ Weiter hinten im Zelt erblickte ich noch eine Frau mit Kasse. Nichts wie hin! Auch sie sagte: „Die Kasse ist leider dicht. Die Chips sind schon weggeräumt.“

„Das wars“,dachte ich. „Mist“,fluchte ich. „Schon vor dem Start alles zu Ende“, jammerte ich.

Die Frau am Schalter blickte mitleidig- da fasste ich wieder Mut: Die Chips sind weg, hatte sie gesagt? „Ich brauch gar keinen Chip, ich laufe einfach so!“, brach es aus mir heraus. „Dann wird Ihre Zeit aber nicht gemessen! Und Sie kommen nicht auf die Ergebnisliste“, erklärte sie und ich stammelte hoffnungsfroh: „Ganz egal! Ich will ja nur laufen!“ „Aber die Kasse ist zu.“ „Dann gebe ich Ihnen das Geld auf die Hand und Sie mir dafür irgendeine Nummer!“ Die Frau stutzte und lächelte: „Von mir aus. O.k., aber ich muss erst noch mal nachfragen.“

Als sie wiederkam, hatte sie einen Umschlag mit Startnummer dabei. Ich hätte sie stundenlang knutschen können, aber der nahende Starttermin sprach dagegen. Schnell schlängelte ich mich zum Startbereich durch, heftete mit zitternden Fingern die Nummer an, atmete tief durch und begann, mich einfach glücklich zu fühlen.

Und plötzlich war gar keine Eile mehr nötig: Der Start verzögerte sich. Ich hätte also doch noch länger knutschen können. Und so stand ich mit zunehmender Gelassenheit bei zwei Freunden, fachsimpelte, als ob nichts geschehen wäre und ließ mich entspannt über die Startlinie fortspülen. Geschafft!                                 

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